Knochenaufbau (Augmentation) Zurück

Der Begriff „Augmentation“ bezeichnet ein medizinisches Therapieverfahren. In der Zahnmedizin steht er für die Wiederherstellung verloren gegangener Kieferknochensubstanz.

Da ein Implantat fest und tief im Knochen verankert sein muss, ist die Vorraussetzung für eine Implantation ein ausreichend vorhandenes Knochenvolumen. Geschwundene Kieferareale machen entweder bereits das Einsetzen des Implantats unmöglich oder gefährden aufgrund fehlender Stabilität und hoher Entzündungsanfälligkeit die Langzeitprognose. Für langfristig stabile Verhältnisse ist ein Kieferknochen von

  • 5 mm Breite und
  • 10 mm Höhe

erforderlich. Ist dies aufgrund eines Knochenschwundes, auch Knochenatrophie (Atrophie = Schwund, Rückgang) genannt, nicht gegeben, kann der Knochen in der Regel mit Hilfe von Knochenersatzmaterial oder Eigenknochen wieder aufgebaut werden.

Die häufigsten Ursachen für Kieferknochenatrophie sind fehlende Belastungen infolge von schlecht sitzenden Zahnprothesen oder lange bestehender Zahnlosigkeit, wodurch der Kieferknochen nicht mehr belastet wird und sich zurück bildet (atrophiert).

Einsatz von Eigenknochen

Körpereigener Knochen, der aus anderen Kiefer- oder Körperbereichen entnommen wird, ist grundsätzlich das Material der ersten Wahl. Bei kleineren Defiziten werden Knochenspäne entweder direkt aus der Bohrstelle oder aus dem Unterkiefer-, Kinn- oder Weisheitszahnbereich bei lokaler Anästhesie (= örtliche Betäubung) entnommen. Bei ausgedehnten Knochendefekten wird Material aus dem Schienbein-, Becken- oder Schädelknochen transplantiert, was einen weiteren chirurgischen Eingriff erfordert.

Einsatz von Knochenersatzmaterialien

Als Alternative für Eigenknochen werden Knochenersatzmaterialien eingesetzt, mit dem Vorteil eine Transplantatentnahme zu vermeiden. Knochenersatzmaterial ist dem menschlichen Knochen ähnlich aufgebaut und entweder rein synthetisch oder aus natürlichen Gewebe (Beispiel: Algen, Tierknochen) abstammend. Als Leitstruktur regt das eingebrachte Material die Knochenneubildung an und wird im Laufe der Zeit mit eingebaut und/oder kontinuierlich abgebaut und durch körpereigenen Knochen ersetzt.

Beide Verfahren unterscheiden sich wenig hinsichtlich ihrer Einheilung und der Prognose. Die Regeneration des Knochentransplantats wird jeweils unterstützt durch eine Membran (= Häutchen), welche das Transplantat von der Mundschleimhaut trennt und innerhalb der ersten Monate vom Körper resorbiert (= abgebaut) wird.

Die Implantation kann gleichzeitig mit der Augmentation („einzeitiges Vorgehen“) oder nach einer mehrmonatigen Ausheilung („zweizeitiges Vorgehen“) stattfinden.

Eine gleichzeitig durchgeführte Implantation und Augmentation erfordert jedoch eine größere chirurgische Erfahrung des Implantologen und birgt höhere Wundheilungsrisiken, was bei einer Trennung der beiden Eingriffe deutlich reduziert werden kann.